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Wissenswertes zum Spine-Wert von Holzpfeilschäften *)

(Der Originaltext ist hier oder n im "Traditionell Bogenschiessen" Magazin Nr. 2 im Jahr 1996 nachzulese, mit freundlicher Genehmigung von Rainer Schwarz)

Was ist eigentlich der Spine-Wert eines Pfeils und welchen Spine-Wert benötigt man für einen Bogen, wenn Holzpfeile zum Einsatz kommen sollen?

"Hallo, ich möchte mir demnächst Zedernschäfte kaufen." "Weist du welchen Spine-Wert du brauchst?" "Ich brauche 11/32." "Und welchen Spine-Wert?" "Habe ich doch gerade gesagt, 11/32."
Solche Gespräche führe ich manchmal mit Schützen, die noch nicht all zu viel über das Pfeiltuning wissen und es dauert einige Zeit um, neben dem bereits genannten Pfeildurchmesser, auch die für den Spine-Wert nötigen Informationen vom Schützen zu bekommen, falls er den benötigten Spine-Wert nicht kennt. Viele Schützen sind sehr erstaunt, wenn ich außer dem Auszugsgewicht und der Auszugs- bzw. Pfeillänge auch wissen möchte ob sie einen Lang- oder Recurvebogen schießen, ob dieser eine Fast-Flite oder eine Dacron Sehne hat, usw. "Was hat das alles mit meinem Holzschaft- Kauf zu tun?" werde ich dann gefragt.
Welche Informationen für die Bestimmung des Spine-Wertes von Bedeutung sind und welchen Einfluss sie auf den Spine-Wert haben, möchte ich hier erklären.
Der "Spine" ist die Steifigkeit des Pfeils, bzw. des Schaftes. Er wird folgendermaßen gemessen:
Der Schaft wird auf zwei Auflagepunkte, welche 26 inches (1 inch=25,4 mm) voneinander entfernt sind, abgelegt. Nun wird der Schaft in der Mitte zwischen den beiden Auflagepunkten mit einem Gewicht von zwei lbs (1 lb = 1 amerikanisches Pfund = 0,454 kg) belastet. Die dadurch entstehende Durchbiegung wird in inches gemessen. Diese Durchbiegung wird dann einem Spine-Wert, oder auch Spine-Gewicht genannt, zugeordnet. Diese Zuordnung basiert auf Erfahrungswerten und wurde vor vielen Jahren von der A.M.O. (Vereinigung der amerikanischen Bogen- und Zubehörhersteller) standardisiert. Beispielsweise entspricht, nach dieser Zuordnung, eine Durchbiegung von 0,520 inches einem Spine-Gewicht von 50 lbs.
Um den Spine-Wert zu messen, benötigt man einen Spine-Tester. Um die sehr geringe Durchbiegung des Schaftes bei der Messung deutlich sichtbar zu machen, verwendet man einen großen Zeiger mit einer Art Übersetzung. Der Zeiger, der an einer Scala entlangläuft, wird zu Beginn der Messung auf den Nullpunkt, d.h. die Ruhelage des Schaftes, eingestellt. Nach der Belastung mit dem Gewicht von zwei lbs wird die Durchbiegung und der entsprechende Spine-Wert auf der Scala angezeigt.
Der Schaft liegt bei der Messung so auf den Pfosten auf, dass die Jahresringe senkrecht, also parallel, zu den Pfosten stehen. Wenn man ganz genau messen wollte, müsste man den Schaft nach der ersten Messung um 180 Grad drehen, noch einmal messen und den Mittelwert aus beiden Messungen bilden. In der Regel besteht aber nur eine geringe Abweichung zwischen den beiden Werten und da die Schäfte in 5 lbs Gruppen sortiert werden ist diese Abweichung vernachlässigbar.
Aus eigener Erfahrung sind diese sortierten Gruppen allerdings nicht verlässlich vorsortiert, da es oft bis zu ca. 30% an Pfeilen gibt, die nicht in die angegebene Gruppe gehören sollten! Daher, wenn möglich jeden Pfeil an einem Pfeiltester selbst nachkontrollieren. Jeder bessere Händler hat einen Spine-Tester, den er auf nachfrage gerne zur Verfügung stellen sollte.
In vielen Büchern und Magazinen kann man nachlesen, dass der Spine-Wert beim Messen parallel zu den Jahresringen immer höher ist, als beim Messen senkrecht zu den Jahresringen.

Schaft

Bei verschiedenen Messreihen habe ich jedoch herausgefunden, dass bei ca. 45 % der gemessenen Schäfte, der Spine, bei der Messung senkrecht zu den Jahresringen, gleich hoch oder höher war. Da aber der Pfeil mit den Jahresringen quer zur Sehne auf dem Bogen liegen sollte, ist es sinnvoll, den Spine-Wert mit einer Messung parallel zu den Jahresringen zu ermitteln. Auf diese Weise wird auch sichergestellt, dass alle Schäfte einer Spine-Gruppe zusammenpassen.
Obwohl die Auflagepfosten der meisten, nicht aber bei allen, Spine-Tester 26 inches auseinander stehen, ist der auf der Scala angezeigte Spine-Wert ist bei fast allen Geräten für einen Pfeil mit 28 inches hochgerechnet. Das bedeutet, wenn wir einen Rohschaft auf dem Spine-Tester messen und ein Messergebnis von 0,520 inches Durchbiegung und 50 lbs Spine-Gewicht ablesen, dann wäre dieser Schaft geeignet einen 28" langen Pfeil für einen Bogen mit 50 lbs Auszugsgewicht zu fertigen. Allerdings für einen Bogen aus der Zeit, in der die Zuordnung von Durchbiegung zu Spine-Wert erstellt wurde. Das wäre z.B. ein gerader, glasbelegter Langbogen mit einer Dacron Sehne.
Da sich die heutigen Bogen in Design und Effizienz oftmals sehr stark von den früheren Bogen unterscheiden, müssen wir den Spine-Wert an unseren Bogen anpassen. Dazu ist es notwendig den Spine-Wert, ausgehend vom Zuggewicht, zu erhöhen oder zu verringern. In nachfolgender Tabelle findet man von mir ermittelte Durchschnittswerte.

Holzbögen:

- Selfbogen oder englischer Langbogen mit Dacronsehne                                 - 5 bis -10 lbs

glasbelegte Bögen:

- Gerader Langbogen mit Dacronsehne:                                                          + / - 0 lbs
- Reflex und reflex-deflex gearbeiteter Langbogen mit Dacronsehne:                + 5 lbs
- Reflex und reflex-deflex gearbeiteter Langbogen mit Fast-Flite Sehne:           + 5 bis + 10 lbs
- Recurvebogen mit Dacronsehne:                                                                  + 5 bis + 10 lbs
- Recurvebogen mit Fast-Flite Sehne:                                                             + 10 bis + 15 lbs

Diese Werte sind lediglich als Anhaltspunkte zu sehen und können, abhängig vom persönlichen Schießstil und von der speziellen Bauart des Bogens, natürlich von den tatsächlichen benötigten Werten abweichen.
Einen großen Einfluss auf die Auswahl des Spine-Gewichts hat auch die Länge des Pfeils. Die auf dem Spine-Tester ermittelten Werte gelten für Pfeile mit einer Länge von 28 inches. Sollen die Pfeile kürzer oder länger als 28 inches werden, dann kann man pro inch, das der Pfeil kürzer wird, ca. 5 lbs abziehen. Im umgekehrten Fall muss man ca. 5 lbs für jedes inch dazuzählen, das der Pfeil länger als 28 inches wird.
Nicht minder groß ist der Einfluss durch das Spitzengewicht. Ausgehend von 125 grains (= 8,1 Gramm) Spitzengewicht kann man pro 25 grains Mehr- bzw. Mindergewicht etwa 3 bis 5 lbs dazuzählen bzw. abziehen. Das bedeutet, bei Verwendung einer 100 grains schweren Spitze kann man im Spine-Gewicht etwa 3 bis 5 lbs nach unten gehen.
Durch das Anbringen eines Bogenköchers am Bogen verringert sich ebenfalls der benötigte Spine-Wert um circa 3 bis 5 lbs. Diese Angaben sind eigene Erfahrungswerte und können bei verschiedenen Bogen stark differieren. Denn die Verringerung des Spine-Wertes ist nicht nur abhängig vom Eigengewicht des Bogens, sondern auch vom Gewicht und dem Design des Köchers, sowie der Art der Köcherbefestigung.
Das gleiche gilt für die Sehne. Eine dünne und damit leichtere Sehne, egal ob Fast-Flite oder Dacron, benötigt einen höheren Spine-Wert als eine dicke, schwerere Sehne aus dem gleichen Material. Alles was ich zum Gewicht der Sehne addiere, wie zum Beispiel Sehnengeräuschdämpfer oder eine längere Mittelwicklung, verringert das benötigte Spine-Gewicht. Erfahrungswerte hierüber habe ich allerdings noch nicht.

Beispiel zur Spine-Wert Bestimmung:
Ich analysiere hier beispielhaft einen Recurvebogen, ohne Bogenköcher, mit einer Fast-Flite Sehne, der 56 lbs Zuggewicht bei einem Auszug von 28 inches hat ( 56 # @ 28" ). Da ich diesen Bogen aber nur knapp über 27 inches ausziehe, hat der Bogen ein Zuggewicht von 53 lbs bei meinem Auszug. Die Pfeile, die ich mir fertigen möchte, sollen mit Jagdspitzen bestückt werden und sollen aus Sicherheitsgründen 29 inches lang sein. Damit ist gewährleistet, dass die Jagdspitze bei vollem Auszug genügend weit vor dem Griffstück steht. Meine Jagdspitzen haben ein Gewicht von 150 grains.

Berechnung des zum Bogen passenden Spine-Wertes:

- Zuggewicht                                                   53 lbs
- Recurvebogen mit Fast-Flite Sehne               + 10 bis + 15 lbs
- Pfeil ein inch länger als 28 inches                   + 5 lbs
- Spitze 25 grains schwerer als 125 grains        + 5 lbs
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Ergebnis:                                                         73 bis 78 lbs

Laut dieser Berechnung benötige ich also einen Pfeil zwischen 73 und 78 lbs. Da aber die Spine-Gewichte bei den Händlern fast immer in 5 lbs Abstufungen erhältlich sind (65-70, 70-75, 75-80 etc.) könnte ein Pfeil der Gruppe 70 bis 75 lbs aber auch einer zwischen 75 und 80 lbs gut fliegen.
Um dies zu testen fertigt man sich einige Pfeile der niederen und einige Pfeile der höheren Spine-Gewichtsgruppe. Am Flugverhalten kann man sehen, welche Pfeile besser geeignet sind. Man sollte auf jeden Fall mehrere Pfeile einer Spine-Gewichtsgruppe fertigen, da bei nur einem Pfeil die Gefahr besteht den höchsten bzw. den niedrigsten Spine-Wert dieser Gruppe zu erwischen. Wer einen eigenen Spine-Tester besitzt ist hier natürlich im Vorteil. Es kann allerdings auch vorkommen, dass beim Testen beide Pfeilgruppen augenscheinlich gleich gut fliegen. Das wäre der Fall, wenn der Bogen einen 75 lbs Pfeil benötigt und die Pfeile der ersten Gruppe bei 74 bis 75 lbs und die Pfeile der anderen Gruppe bei 76 bis 77 lbs liegen. Dann ist der Unterschied im Flugverhalten fast nicht erkennbar.
Will man den zum Bogen passenden Spine-Wert genau bestimmen, sollte man einen Rohschaft-Test durchführen, indem man einen unbefiederten Pfeil mit der Pfeilgruppe mitschießt und diesen solange kürzt, bis er entweder gerade fliegt und mit der Gruppe mitgruppiert, oder zu kurz ist. Sollte der Pfeil zu kurz werden bevor er gerade fliegt, muss man eine Spine-Wert-Gruppe höher wählen und erneut kürzen.
Das Thema Rohschafttest hier ausführlicher zu behandeln würde allerdings hier den Rahmen dieses Artikels sprengen, ist aber z.B. in manchen Katalogen von Pfeilherstellern zu finden. Eines möchte ich allerdings vorwegnehmen. Beim Rohschafttest ist eine Abweichung im Spine-Wert von zwei lbs bereits zu erkennen. Aber diese Abweichungen, die in Schaftgruppen mit 5 lbs Abstufungen zwangsläufig vorhanden sind, werden durch die Stabilisierungs- und Steuerfunktion der Befiederung ausgeglichen.
Problematisch wird es allerdings, wenn die Abweichungen größer werden. Das ist der Fall, wenn die Schäfte zwar in der richtigen Spine- Gewichtgruppe (z.B. 55-60 lbs) gekauft wurden, aber die Schäfte teilweise erheblich von diesen Werten abweichen. Größere Abweichungen im Spine-Gewicht können nicht mehr von der Befiederung kompensiert werden. Und so ist es zu erklären, dass bei einem Dutzend Pfeile manchmal ein bis mehrere Pfeile irgendwie nicht sauber fliegen.
Da ich alle Schäfte, die ich kaufe, mit einem Spine-Tester nachprüfe, kann ich mir zwischenzeitlich ein Urteil über die Qualität der maschinellen Messungen, bei Herstellern von Zedernschäften, machen.
Beispielsweise lagen von einer Lieferung Zedernschäfte im Spine-Gewicht von 70 bis 75 lbs, die ich kontrollierte, gerade mal 38 % in dieser Spine-Gruppe. Die anderen Schäfte waren verteilt auf Spine-Gewichte von 40 lbs als niedrigster Wert bis zu 105 lbs als höchster Wert.
Man sieht also, dass der Kauf von Holzschäften Vertrauensache ist und wer keinen Spine-Tester besitzt, sollte sich auf seinen Händler verlassen können. Schäfte, die von Hand auf ihren Spine-Wert geprüft wurden, sind durch den Mehraufwand in der Regel teurer, als Schäfte, die nur von Maschinen geprüft werden.
Ich hoffe mit diesem Artikel die Auswahl des Spine-Wertes für die nächsten Holzpfeile etwas erleichtert zu haben.

*) Hinweis: Dies ist nicht der Originaltext, dieser ist auch Nachzulesen im "Traditionell Bogenschiessen" Magazin Nr. 2 im Jahr 1996 oder hier ...

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